Kein Erfolgserlebnis im Stadion der Superlative

April 20, 2026
Freitag, 17.4.2026: Eine neue Zeitrechnung in der langen Geschichte des Wiener Sport-Clubs beginnt: Das revitalisierte Stadion an der Alszeile öffnet seine Pforten, knapp 6000 ZuschauerInnen, die ein Ticket ergattert haben, strömen erwartungsfroh ins Innere und werden rasch von der neuen Spielstätte gefangen genommen. Es ist alles perfekt organisiert, das obligatorische Band wird durchschnitten, eine Choreographie verleiht der FHT das Flair großer Spiele, und die gewohnten Songs ertönen in neuer Akustik. Der krönende Abschluss bleibt leider aus: Isa Drammeh Jabbeh schießt nach einer Stunde das Tor zum 1:0 Sieg und wird zum Partycrasher eines ansonsten rundum gelungenen Fußballfests.

Freitag, 17.4.2026 – 19.30 Uhr/ 27. Runde RLO
Wiener Sport-Club – SV Horn 0:1 (0:0)
Wiener-Sport-Club-Stadion, 5522 ZuschauerInnen
Schiedsrichter: Robert Gruber
Assistenten:  Levent Gören, Martin Gyarmati

Spielbericht

Trainer Rapp schickt folgende Elf aufs Grün der erneuerten Heimstätte: Im Tor steht der wieder fitte Prögelhof, die Verteidigung bilden Grubesic, Kapitän Gusic, Ivkic und Tütünci; Berkovic und  Radulovic agieren im defensiven, Kerschbaumer im zentralen Mittelfeld. An der rechten Außenbahn ist Oppong  nominiert, Wunsch stößt links in den Angriff vor, während Pecirep als  Sturmspitze beginnt.

Den Dornbachern ist die Nervosität in dieser Atmosphäre sichtlich anzumerken, die Gäste erwischen folglich den besseren Start; eine Halbchance nach einem Foul-Freistoß (4), ein Vorstoß von Isa Drammeh Jabbeh, der wegen Abseits zurückgepfiffen wird (9‘), ehe das erste Mal Beifall aufbrandet: Oppong wird nach schönem Zuspiel rechts auf die Reise geschickt, doch Vajs fängt seinen Mix aus Schuss und Pass sicher ab (11‘). In der Anfangsphase präsentiert sich Horn einen Tick schneller, genauer, technisch besser; es dauert 20 Minuten, bis die Hernalser eine gelungene Kombination über mehrere Stationen kreieren. Auf der anderen Seite trickst der schlaksige Isa Drammeh auf engstem Raum; den folgenden Güclü-Corner köpfelt Mihailovic knapp drüber (28‘), dann rettet Wunsch nach einem raffinierten Abschluss auf der Linie (33‘). Knapp vor der Pause noch helle Aufregung: Oppong wird von Hinterleitner in aussichtsreicher Position von den Beinen geholt. Schwer zu entscheiden, ob der Verteidiger letzter Mann war, er kommt jedenfalls mit Gelb davon.

Die zweite Hälfte beginnen die Schwarz-Weißen deutlich mutiger: Tütünci prescht auf der linken Seite vor, sein angeschnittener Pass geht genau in die Laufbahn des heranrauschen Nikki Wunsch, der trifft den Ball jedoch nicht richtig (51) – die bis dato größte Chance der Partie. Fünf Minuten später zieht Wunsch nach Radulovic-Pass ab, schießt aber daneben. Bitter, dass in dieser positiven Phase die Gäste erfolgreich sind. Auf der linken Seite kombinieren Bauer, Mankovski und Isa Drammeh Jabbe auf engstem Raum, die Verteidigung bekommt keinen Zugriff, und der 1,98 große Spanier jagt den Ball zum 0:1 unter die Latte (60‘). In den folgenden 10 Minuten läuft beim Sport-Club so gut wie nichts zusammen: Kokkas zieht halblinks davon, sein Schuss streift am langen Eck vorbei (62‘). Nach einem Eckball für die Dornbacher kontert Horn blitzschnell, zwei Leute laufen auf Prögelhof zu, doch der rettet gegen Mihailovic bravourös (71‘). Die Partie bleibt kampfbetont, wird aber zusehends zerfahren. Horn will den Vorsprung verwalten, die ‚Dornbacher werfen so gut wie alles nach vorne. Zweimal steht der eingewechselte Griebus im Mittelpunkt: Zweimal wird er attackiert, zweimal bleibt der Elferpfiff aus. Mehr als Turbulenzen im Strafraum gibt es nicht, und Horn nimmt drei Punkte mit ins Waldviertel.

Fazit

Bei vielen Besuchern war die Hoffnung auf einen vollen Erfolg groß, schließlich hatte der SV Horn, trainiert von Andi Lipa (2006 – 08 im Sport-Club-Dress) die letzten vier Begegnungen verloren und schien weit weg von den Aufstiegsrängen. Doch Horn schaffte den Turnaround, die Hernalser – zuletzt – dreimal auf der Verliererstraße – nicht. Trainer Stefan Rapp konstatierte: „Horn ist eine ausgefuchste Profitruppe, die sich vom überragenden Publikum und der tollen Stimmung nicht beeinträchtigen ließ. Einen Stürmer wie Isa Drummeh, der sowohl Neusiedl als auch dem Sport-Club angetragen wurde, können wir uns nicht leisten. Unsere primäre Absicht in der letzten Trainingswoche war, die Defensive zu stabilisieren. Die Zahl der erhaltenen Treffer (insgesamt 43) ist viel zu hoch, also wollten wir hinten dicht machen, was 50 Minuten lang gelungen ist. Leider waren die Abstände zu groß, und wir konnten die wenigen Umschaltmomente nicht nützen. Der Nachdruck hat gefehlt, um uns im letzten Drittel festzusetzen, somit waren wir auch vorne ungefährlich.“ Für Horn wurde es erst im Finish brenzlich, als es die Hernalser mit der Brechstange und mit großgewachsenen Spielern wie Gusic, Aichinger, Griebus und Pecirep im Zentrum probierten.

Im kommenden Spiel gegen Elektra gibt es für Trainer Rapp nur eine Devise: „Den Kopf frei bekommen, Vollgas geben und gewinnen. Die Tabellenränge täuschen, da wir durch die Nachtragsspiele weniger Partien ausgetragen haben, aber die muss man auch erst einmal gewinnen.“

Aufstellung Wiener Sport-Club: Prögelhof; Grubesic (90‘ Aichinger), Ivkic, Gusic (K), Tütünci; Berkovic (85‘ Griebus), Kerschbaumer, Radulovic (68‘ Sutterlüty); Oppong, Wunsch; Pecirep.

Aufstellung SV Horn: Vajs; Jarju, Trcek, Hinterleitner (74‘ Kitenge), Bauer; Mankovski, Güclü (K), Kokkas; Budimir, Mihailovic (90+4 Omelianiuk), Isa Drammeh Jabbeh (88‘ Widor).

Torfolge

0:1 Isa Drammeh Jabbeh (60‘)

Gelbe Karten Wiener Sport-Club

53’ Oppong (Unsportlichkeit)

Gelbe Karten SV Horn

44‘ Hinterleitner (Foulspiel)

66‘ Isa Drammeh Jabbeh (Foulspiel)

75‘ Güclü (Unsportlichkeit)

Text: Friedl Schweinhammer
Foto: Rainer Rockenbauer

 

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