Wo bist du aufgewachsen, wo hast du die Kindheit verbracht?
Ich bin in Split geboren, aufgewachsen bin ich aber in einer kleineren Ortschaft etwa 40 Kilometer neben Split. Dort habe ich meine Kindheit verbracht und auch die ersten Schritte im Fußball gemacht.
Was haben deine Eltern zu deinen Fußball-Ambitionen gesagt?
Meine Eltern, die sportlich nicht „vorbelastet“ waren, haben mich immer unterstützt und mich zu jedem Training gebracht. Gleichzeitig war ihnen aber auch wichtig, dass die Schule nie vernachlässigt wird.
Hattest du ein Vorbild bzw. ein Idol? Einen Lieblingsverein (in Österreich/in Kroatien?
Mein Lieblingsverein war schon immer Hajduk Split. Ein richtiges Idol hatte ich eigentlich nie, aber ich habe immer Spieler mit ehrlichem Charakter und Ausstrahlung bewundert – vor allem Paolo Maldini, Alessandro Nesta, Carlos Puyol…
Warst du immer Defensivspieler? Über welche Stärken hast du verfügt?
Relativ früh hat sich gezeigt, dass ich defensiv am besten aufgehoben bin. Meine Stärken waren körperliche Präsenz, Kopfballspiel. Mit der Zeit kam auch die Erfahrung dazu.
Du wirst bei einem Rückstand im Finish meist als „Brecher“ nach vor geschickt. Hast du dir Laufwege etc. selbst beigebracht?
Da ich bei Rückstand oft nach vorne geschickt werde, liegt das wahrscheinlich daran, dass ich groß und kopfballstark bin. Speziell trainieren wir solche Situationen aber nicht – das ergibt sich meistens einfach im Spiel.
Hast/Hattest du einen Spitznamen? Gehört „Sir“ auch dazu?
In Kroatien haben mich viele einfach Guso genannt. Beim Sportclub hat sich mit der Zeit eher Sir entwickelt- und mittlerweile nennt mich sogar meine Tochter so, haha.
Wie bist du zum Fußball, wie zu deinem ersten Verein gekommen?
Fußball habe ich eigentlich schon gespielt, seit ich klein war. Der Sportplatz war nur etwa 50 Meter von unserem Haus entfernt, deshalb war ich praktisch jeden Tag dort. Zum Verein gebracht hat mich damals mein Sportlehrer, der mein Talent erkannt und mich gefördert hat.
Welchen Beruf hast du erlernt bzw. übst du jetzt aus?
Die Matura habe ich in Kroatien gemacht, mit Schwerpunkt IT-Technik. Seit mittlerweile sechs Jahren bin ich im Innenministerium tätig und arbeite dort als Stellvertreter im Digitalprintcenter.
Warst du bei den Erst-bzw. Zweitligavereinen Profi?
Ja, ich war Profi, bis ich nach Österreich gewechselt bin. Danach hat sich mein Fokus etwas verändert, weil mir neben dem Fußball auch die berufliche Zukunft wichtig war.
Nach deinem ersten Vereinswechsel wurdest du bald zu einem „Wandervogel“, bist bald ins Ausland (Polen) gegangen. Grund dafür?
Damals habe ich noch in der 2. Liga gespielt und die Möglichkeit bekommen, bei einem Bundesliga-Verein ein Probetraining zu absolvieren. Dadurch hat sich der Kontakt nach Polen ergeben. Für mich war das eine spannende Chance, mich sportlich weiterzuentwickeln
Nach zwei Vereinen in Polens 1. Liga ging es nach Frankfurt (6. Liga).
Nach eineinhalb Jahren in Polen wollte ich mich für die nächste Aufgabe vorbereiten. Dazu kam, dass mein Privattrainer damals in Deutschland als Trainer tätig war. Deshalb habe ich mich entschieden, nach Frankfurt zu gehen – dort konnte ich unter guten Bedingungen arbeiten, fit bleiben und mich sportlich neu orientieren
Letzter Landeswechsel: Österreich, seitdem bei verschiedenen Vereinen in der Regionalliga Ost.
Der Schritt nach Österreich hatte auch private Gründe. Meine Frau ist Kroatin, aber in Wien geboren und aufgewachsen. Dadurch hatte ich schon früh einen Bezug zu Österreich und speziell zu Wien. Mit der Zeit hat sich dann die Möglichkeit ergeben, Fußball und Privatleben ideal zu verbinden – und das war im Nachhinein genau die richtige Entscheidung.
Beim Sport-Club spielst du seit 6 Jahren. Was macht diesen Verein anders als die vorigen „flüchtigen“ Stationen?
Der Wiener Sport-Club ist mehr als nur ein Verein. Die Tradition, die Fans und das Umfeld sind einzigartig. Man spürt, dass Fußball hier gelebt wird.
Gibt es Situationen in diesen 6 Jahren, die dir „ewig“ in Erinnerung bleiben werden?
Definitiv. Große Spiele, (Cup vs,Austria Wien, Austria Lustenau, bzw. vs Vienna), emotionale Siege und natürlich Momente mit den Fans bleiben für immer.
Warst du, z.B. bei einer Verletzung, auch auf der FHT und mitten unter den Fans?
Nein, Ich war noch nicht auf der FHT, weil ich in meiner ganzen Zeit eigentlich nur einmal verletzt war – vor etwa einem Jahr am Meniskus. Genau in dieser Phase hatten wir aber keine Spiele im Stadion.
Du bist/warst Kapitän. Beim Sport-Club hat man als „Capitano“ quasi Legendenstatus. Wie hast du die Rolle als Kapitän angelegt?
Mir war wichtig, Verantwortung zu übernehmen – auf und neben dem Platz.
Kommen wir zum aktuellen Anlass: Wann hast du den Entschluss gefasst, deine Karriere mit Saisonschluss zu beenden?
Schon zum Beginn dieser Spielzeit wusste ich, dass es meine letzte Saison sein wird. Der Gedanke kommt nicht von heute auf morgen. Irgendwann merkt man körperlich und mental, dass der richtige Zeitpunkt näher rückt.
Was waren die hauptsächlichen Beweggründe dafür?
Der Körper spielt natürlich eine Rolle. Aber auch Familie, Beruf und der Wunsch nach einem neuen Lebensabschnitt.
Bleibst du danach dem Fußball bzw. dem Sport-Club in irgendeiner Form erhalten?
Ganz weg vom Fußball wird man wahrscheinlich nie sein. Ob im Verein oder anderswo – schauen wir mal. Ich würde gerne dem Verein auch in Zukunft weiterhelfen und meine Erfahrung einbringen, wenn sich eine passende Möglichkeit ergibt.
Hast du schon einen Trainerkurs oder etwas in Richtung Management begonnen?
Nein, ich habe bisher noch keinen Trainerkurs oder etwas Ähnliches begonnen. Neben einem 40-Stunden-Job, drei bis vier Trainings pro Woche und der Zeit mit meiner Familie und meinen zwei Kindern bleibt momentan leider nicht viel freie Zeit übrig.
Welche Hobbys – nicht nur sportliche – hast du?
Ich bin gerne in der Natur (wandern) unterwegs – das hilft mir abzuschalten und Energie zu tanken.
War die Stadioneröffnung ein Ziel, das du – noch dazu als Kapitän – unbedingt erreichen wolltest?
Ja, absolut. Als Kapitän wollte ich diesen Moment unbedingt noch miterleben. Das war für den Verein etwas ganz Besonderes.
Welches Einlaufkind war auf deiner Seite? Wie hat sie die Massen und die Stimmung wahrgenommen?
Meine Tochter Hannah war bei der Stadioneröffnung neben mir beim Einlaufen. Sie war natürlich etwas aufgeregt, aber sie kannte die Atmosphäre schon vom alten Stadion und hat den Moment richtig genossen
Kann es ein, dass wir den Namen Gusić demnächst wieder auf einer schwarz-weißen Spielerliste finden werden?
Ja, kann gut sein, dass mein Sohn Dario (5) ab Sommer schon den schwarz-weiße Dress tragen wird. Fußball interessiert ihn auf jeden Fall schon jetzt sehr.
Wie war dein Gefühlszustand, als du vor der FHT gegen Donau den Ball per Kopf im Tor versenkt hast?
Pure Emotion. Gerade solche Tore in wichtigen Spielen vergisst man nie.
Wie bist du generell vom Temperament her zu sehen – ruhig, überlegt, spontan, temperamentvoll?
Temperamentvoll. Aber am Platz braucht man auch Emotionen und Aggressivität im positiven Sinn.
Wenn du eine Bilanz deiner Karriere ziehst: Was waren die Highlights, was hättest du anders machen können?
Die vielen Jahre im Fußball, besondere Spiele, Bundesliga- Erfahrung, Freundschaften und natürlich die Zeit beim Sport-Club. Anders machen würde ich wahrscheinlich wenig – jede Station hat mich geprägt.
Hast du auch ein lustiges G’schichtl zum Abschluss, das zeigt, dass Fußballer auch humorvoll sein können?
Ja, bei uns in der Kabine gibt es natürlich viele lustige Szenen und Geschichten. Aber einiges davon bleibt lieber intern – was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine.
Luka Gusic im Spiegel des Dornbacher Universums
Karin Pointner, Gusić-Fan und lange Zeit Mitglied des Media-Teams
Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern: Es war im Sommer vor sechs Jahren, da hat Luka Gusić beim Sport-Club angefangen. Ich habe damals mit einer Freundin den Instagram-Account ehrenamtlich geschupft und weiß noch, dass wir öfters auf die Haupttribüne gegangen sind, um einen guten Überblick zu haben. Ich hab ihn gesehen und gedacht: „Wow, was ist das für ein …Spieler. Der bewegt sich so elegant, so geschmeidig, der ist wie ein Sir.“ Ich habe einmal zu ihm gesagt: „Luka Gusić Superstar“ und er hat geantwortet: „Ich spiele Regionalliga“ – also ein sehr bescheidener Mensch! Er hat einen enormen Überblick mit seiner Größe gehabt, noch bevor er Capitano geworden ist. Wir haben dann ein Posting gemacht, in dem wir das Spielergebnis geteilt haben; dabei habe ich ihn das erste Mal „Sir“ genannt; der Spitzname ist also auf meinem Mist gewachsen.
Mit tut es wahnsinnig leid, dass er aufhört, finde es aber auch schön, dass er beim Sport-Club aufhört. Würde er bei einem anderen Verein seine Karriere beenden, wäre ich eifersüchtig. Ich finde, er hat seine Aufgabe als Kapitän souverän erledigt, ist menschlich ein toller, toller Kerl. Mir wird er wahnsinnig abgehen, und beim Sport-Club geht eine gewisse Eleganz verloren. Ich wünsche ihm alles, alles Gute!
Florian Prögelhof, Mitspieler
Lieber Luka,
wenn ich daran denke, dass wir jetzt schon seit 10 Jahren gemeinsam am Platz stehen dürfen, ist das schon etwas ganz Besonderes: 4 Jahre gemeinsam in Ebreichsdorf, wo wir zusammen Meister geworden sind, und danach sechs wunderschöne Jahre beim Wiener Sport–Club – voller Erinnerungen, Emotionen und gemeinsamer Momente, die ich nie vergessen werde.
Für mich warst du immer ein Vorbild. Ich habe in meiner ganzen Karriere mit kaum einem Spieler zusammengespielt, der so eine professionelle Einstellung zum Fußball hatte wie du. Du hast dem Fußball alles untergeordnet, immer alles investiert und Woche für Woche vorgelebt, was es bedeutet, für diesen Sport zu leben. So eine Einstellung sieht man im Amateurfußball wirklich nur sehr, sehr selten.
Aber noch wichtiger als deine fußballerischen Qualitäten ist der Mensch, der du bist. Über die Jahre bist du für mich nicht nur ein Mitspieler, sondern auch ein echter Freund geworden. Einer, auf den man sich immer verlassen konnte – am Platz und auch außerhalb.
Ich bin unglaublich dankbar, dass ich so lange mit dir zusammenspielen durfte und so viele besondere Momente mit dir erleben konnte.
Ich wünsche dir und deiner Familie von Herzen nur das Beste für die Zukunft und eine wunderschöne gemeinsame Zeit im neuen Lebensabschnitt.
Danke für alles, Luka!
Stefan Rapp – aktueller Trainer
Alea iacta est, ja die Würfel sind gefallen, und der Kapitän verlässt das (zum Glück nicht sinkende) Schiff. Er ist eine Persönlichkeit, hat den Wiener Sport-Club mit seiner Einstellung geprägt, hat unter meiner Ägide alles gegeben – ein Zeichen von Größe, zum richtigen Zeitpunkt das Kapitel zu beenden. Ich wünsche ihm das Allerbeste!
Text: Friedl Schweinhammer Foto: Livio Stella