Freund*innen der Friedhofstribüne – Von Schwarz auf Weiß bis ins neue Stadion

September 23, 2026
Kein anderer Fanverein prägt das Bild des Wiener Sport-Club so sehr wie die Freund*innen der Friedhofstribüne. Ihre Geschichte reicht bis in die 1980er-Jahre zurück, als aus einer wachsenden aktiven Fanszene das Fanzine „Schwarz auf Weiß" entstand. Den Namen Freund*innen der Friedhofstribüne erhielt die Gruppe 1991 quasi als gut gemeinten Vorschlag von der Polizei: Für das fehlende Impressum brauchte es einen Herausgeber – „Es gab hier für die Exekutive einfach wenig zu tun, weil es keine Gewalt gab", sagt Martin Roßbacher, der im Fan-Verein von 2010 bis 2018 Obmann war.

Formal gegründet wurde der Verein erst 2001, aus praktischer Not: um das Vereinslokal „Flag“ zu betreiben, das aus einem Bierverkaufsstand und den leerstehenden Wohnungen der Spieler im alten Stadion gewachsen war. Über das Flag und über Mitgliedsbeiträge finanziert die Gruppe bis heute soziales Engagement – allen voran den Ute-Bock-Cup, mittlerweile „ein Fixpunkt unter den politischen Events in Wien“.

Politisch zu sein, versteht die Gruppe als bewusste Haltung, keine Ausnahme: „Ich finde dieses Unpolitisch-Sein auf der Tribüne oft ein bisschen Augenauswischerei“, so Roßbacher. Das große Engagement der Fans zeigte sich auch bei der Rückführung des Vereins 2017, als Fans einen gewichtigen Anteil der mehr als 300.000 Euro Schulden stemmten – vor allem durch ein eigenes Crowdfunding im Rahmen der Kampagne „Come Together“.

Bei einer Gruppe, die seit über drei Jahrzehnten wächst, bleiben Meinungsverschiedenheiten zwischen den Generationen nicht aus – auch innerhalb der Gruppe gab es solche Reibungen bereits. Martin Unterüberbacher, seit Herbst letzten Jahres im Vorstand, beschreibt den Umgang damit so: „Ich finde es immer wichtig, einfach im Gespräch und in der Diskussion zu bleiben.“ Genau diese Offenheit zeigt sich auch gegenüber der neuen, jüngeren Generation rund um die Phantoms, die mit Fahnen einen anderen Support-Stil einbringt: „Ich finde es gut, dass frischer Wind kommt.“

Was trotz neuem Stadion und neuer Generation bleiben muss, sind sich beide einig: Respekt – untereinander, gegenüber anderen Vereinen und im verantwortungsvollen Miteinander, wie sie es seit Jahrzehnten leben. Ob Regionalliga oder Bundesliga: Die Freund*innen der Friedhofstribüne werden den WSC weiter supporten – „dort, wo der Verein spielt, dort werde ich mit dabei sein“, so Unterüberbacher.

Das ganze Interview mit Martin Roßbacher und Martin Unterüberbacher findet ihr in Folge 5 von Samba – Der offizielle WSC Podcast, überall wo es Podcasts gibt.

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