Wenn der 50-fache schottische Meister Celtic am 29. Juni im schwarz-weißen Topspiel des Jahres an die Alszeile kommt, wird es unter tausenden Besucher*innen einen Zuschauer geben, der das Spiel mit besonderen Erinnerungen verfolgt.

Dass es noch dazu ein Mann ist, der seit Jahrzehnten in engem Bezug mit dem Wiener Sport-Club steht, macht die Sache noch interessanter. Aber auch ein anderer Ex-WSC-Mann spielte bei der Geschichte eine entscheidende Rolle.

Im UEFA-Cup 1984/85 ging es heiß her zwischen Rapid Wien und Celtic Glasgow. Dem Heimspielsieg von grün-weiß von 3:1 folgte ein Skandalspiel in Glasgow, in dem Celtic zwar mit 3:0 siegreich blieb, aufgrund skandalöser Vorfälle zählt der Erfolg aber nicht. Tormann Herbert Feurer wurde von einer Flasche getroffen und musste das Spielfeld mit einem Turban verlassen, Rudi Weinhofer wurde von einer Münze getroffen und konnte das Spiel nicht beenden.

Die UEFA entschied auf Wiederholungsspiel auf neutralem Boden, und zwar im berühmten Old Trafford in Manchester. Von neutralem und friedlichem Boden war am 12. Dezember 1984 allerdings keine Spur, da zum Spiel mehr Celtic-Fans angereist waren, als noch im Celtic-Park Platz gehabt hatten.

Das zusätzlich Bemerkenswerte passierte aber auf der Betreuerbank – nicht Otto Baric, der temperamentvolle Rapid-Coach, der von der UEFA für das Spiel gesperrt worden war – sondern Willi Kaipel, sein Co-Trainer, hatte das Kommando.

Er schickte seine Mannschaft ganz in Rot auf das Feld, da Celtic als Heimteam in Grün-Weiß spielte – und erlebte wohl das emotionalste und spannendste Spiel in seiner Trainerkarriere.

Die Erinnerungen von Willi Kaipel an dieses Spiel:

Emotionen pur, Anspannung pur, eine Ausnahmesituation für uns alle, besonders aber für die Spieler. Nach der Ankunft mit dem Bus im Stadion ging es los. Otto Baric wurde unmittelbar nach dem Aussteigen von Security-Leuten abgeführt, da er wegen der UEFA-Sperre nicht in die Kabine durfte. Bevor die Mannschaft auf das Spielfeld ging, habe ich sie darauf vorbereitet, dass es ein Höllen-Pfeifkonzert geben wird – und so war es auch.

 

60.000 Celtic-Anhänger machten einen unvorstellbaren Lärm. Keine Zäune am Spielfeldrand, sodass man jederzeit damit rechnen mußte, dass Zuschauer auf das Feld stürmen. Wir durften nur 15 Minuten lang aufwärmen. Ich sagte dann den Spielern, dass aber der ärgste Lärm vorbei sein würde, dass es beim Match ruhiger sein würde.

 

Im Kabinengang war meine Mannschaft wild entschlossen. Kapitän Heri Weber, Tormann Herbert Feurer und alle anderen Spieler klatschten ab und hatten eine ganz besondere Ausstrahlung von Willensstärke. Das Celtic-Team schien ungläubig und war völlig still. Es hat geknistert!

 

Es war ein unglaubliches Spiel, in dem wir Anfangs Glück hatten – Stangenschuss Celtic, frühes Tor für Rapid durch den Ex-Sportclub-Spieler Peter Pacult, der für den rekonvaleszenten Hans Krankl in die Bresche gesprungen war.

 

In der 65. Minute läuft dann ein schottischer Zuschauer auf das Spielfeld und schlägt Herbert Feuer nieder. Ich laufe mit unserem Masseur auf das Feld, um Feurer zu behandeln. Der weltbeste Schiedsrichter Luigi Agnolin, der das Spiel leitet, steht neben mir. Ich schaue ihm in die Augen, er scheint völlig hilflos zu sein, wie es weitergehen soll. Abbrechen ist unmöglich, ohne einen Riesenskandal auszulösen, also frage ich Funki, ob er weiterspielen kann. Der bejaht und ich sage zu Agnolin: „Will the play go on?“ Agnolin fällt ein Stein vom Herzen, er setzt das Spiel fort und Rapid Wien ist weiter. Der Schlusspfiff ist nicht das Ende der Dramatik – Peter Pacult bekommt beim Abgang einen Tritt in den Unterleib, aber der Schmerz war angesichts des Triumphes und seines Siegestors verkraftbar.

 

Später kommt Matt Busby, der legendäre ManU-Trainer, auf mich zu und gratuliert mir zu „meiner“ Manschaft und deren Leistung. Neben mir steht Otto Baric, der sehr gerne selbst das Lob von Busby geerntet hätte. Da ging an diesem Abend aber an mich und bescherte mir ein außergewöhnliches und unvergessliches Trainer-Erlebnis, dem ich eigentlich nur die Wahl zum Trainer des Jahres 1992 als Sportclub-Trainer gleichsetzen kann.

 

Natürlich freue ich mich auf den 29. Juni – ein besonderes Spiel für den Wiener Sport-Club, ein freundschaftliche, friedliche Atmosphäre und ein Leckerbissen für die Fans!

Foto: Christian Hofer / FOTObyHOFER

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