Der Wiener Sport-Club empfängt Borussia Mönchengladbach am 12. Oktober 2018, Ankick 18:45 Uhr am Wiener Sport-Club Platz in Wien/Hernals. Trainer der Gladbacher, Dieter Hecking, dazu exklusiv im Interview:

Herr Hecking, für den 12. Oktober haben Sie einen Kalendereintrag „Spiel in Wien – Wiener Sport-Club“ – warum gibt es diesen Ausflug in die „lebenswerteste“ Stadt der Welt?

Für uns ist es in der Länderspielpause wichtig, ein Testspiel zu bestreiten. Wir wollen im Rhythmus bleiben und wir wollen den Spielern, die zuletzt verletzt ausgefallen sind, Gelegenheit geben, Spielpraxis zu sammeln. Dass wir das mit einem Kurzbesuch in Wien verbinden können, ist natürlich eine schöne Sache. Aber leider können wir nur eine Nacht bleiben, von der Stadt werden wir vermutlich nicht viel sehen.

Solche Testspiele leiden oft darunter, dass man sämtlichen Stars eine Pause gönnt und vielfach nur Talente auflaufen – wie legen Sie das Spiel in Wien an?

Wie gesagt, wir wollen im Rhythmus bleiben. Das bedeutet, dass die Spieler, die nicht bei den Nationalmannschaften im Einsatz sind, in Wien spielen werden.

Wiener Sport-Club, Borussia Mönchengladbach – zwei große Namen aus der Vergangenheit mit Riesenerfolgen – wie wichtig ist diese Tradition in der heutigen Zeit noch, ist das den aktuellen Spielern überhaupt noch ein Begriff? Wie pflegen Sie persönlich Tradition?

Die Spieler wissen schon genau, für welchen Verein sie spielen. Und ein Traditionsklub, der viele Zuschauer anzieht und viele Sympathien hat, ist natürlich auch interessant für die Spieler. Bei mir selber ist es genauso. Schließlich habe ich mit dem Fußball zu tun, seit ich ein kleiner Junge bin.

Wussten Sie, dass der Wiener Sport-Club am 1.10.1958 in der ersten Runde des Europapokals der Meister Juventus Turin mit 7:0 besiegt hat? Das Spiel in Wien steht daher auch im Zeichen des „Juveläum“ mit verschiedenen Aktivitäten.

Das wusste ich nicht, aber man hat es mir erzählt, als wir über die Möglichkeit gesprochen haben, in Wien gegen den Sportclub zu spielen. Ich finde es gut, dass man solch ein Jubiläum feiert und an die großen Erfolge des Vereins erinnert.

Welche Kraft hat Borussia Mönchengladbach noch in Deutschland – ist es denkbar, dass man in den nächsten fünf Jahren wieder einmal um die Meisterschaft spielen kann oder sind die wirtschaftlichen Dimensionen von Bayern oder Dortmund zu weit entfernt?

Bayern und Dortmund sind tatsächlich weit weg, was die wirtschaftlichen Möglichkeiten angeht. Für Borussia Mönchengladbach bietet deshalb eher der DFB-Pokal eine Chance, einen Titel zu gewinnen. Da ist in einem Spiel eher mal eine Überraschung möglich. Auch wenn wir nicht um die Meisterschaft spielen, können wir aber auch in der Bundesliga Dinge erreichen, die für uns wie ein Titel sind …

Zu Ihren „Fohlen“: Sie sind gut in die Meisterschaft gestartet – welche Erwartungen und Zielsetzungen haben Sie persönlich für diese Saison bzw. gibt es auch Vorgaben des Vereines, die zu erreichen sind?

Wir haben vor der Saison ganz bewusst kein Ziel in Form eines Tabellenplatzes formuliert. Wir sind ambitioniert, wir wollen unsere Fans begeistern und wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen – das sind unsere Ziele. Mit dem Start in die Saison können wir zufrieden sein. Zuhause haben wir bisher alle drei Heimspiele gewonnen und das wollen wir auch am nächsten Spieltag am Wochenende nach dem Spiel in Wien gegen Mainz schaffen.

Der Wiener Sport-Club ist seit längerer Zeit nur in der 3. Leistungsstufe, hat ein veraltetes Stadion und kämpft viele Jahre lang um die wirtschaftliche Existenz – andererseits gibt es ein großes Fanpotenzial und eine besonders positive Kultur, die sich auch im „Schlüsselerlebnis“ ausdrückt (Schlüsselrasseln der Fans bei Eckbällen und Freistößen). Haben Vereine, wie der WSC, überhaupt die Chance, den Anschluss nach oben zu finden – wenn ja, was sind aus Ihrer Erfahrung Hauptfaktoren, die es dazu benötigt?

Ich kenne die Möglichkeiten des WSC nicht, aber ich weiß aus dem deutschen Fußball, wie schwer der Weg zurück nach oben ist für Traditionsklubs, die in die 3. oder 4. Liga abgestiegen sind. Die Tradition alleine hilft da nicht, der Rückhalt einer großen Fanbasis schon eher. Am wichtigsten ist Ruhe und Kontinuität in den Vereinsgremien. Wer ständig auf einen anderen Weg springt, der wird sein Ziel nicht erreichen.

Anfang 2021 soll der Stadionumbau abgeschlossen sein. Können Sie sich vorstellen, zu einem Eröffnungsspiel wieder einen Wien-Besuch abzustatten – mit Borussia Mönchengladbach?

Warum nicht? Auf jeden Fall drücken wir dem Sportclub die Daumen, dass es sportlich vorwärts geht und es auch beim Stadionumbau so läuft wie geplant.

Danke für das Interview und alles Gute für das Spiel!

Foto: (c) Borussia Mönchengladbach

Fr. 12. Oktober, 18:45, Wiener Sport-Club Platz